Netzwerke: hilfreich, um Flüchtlingen den Schulstart zu erleichtern

Funktionierende Netzwerke sind das A und O. © derevo30/Fotolia.com

„Grundsätzlich müssten alle Schulleiter zumindest rudimentäre Kenntnisse über die Höflichkeitsformen im Heimatland der Kinder und das dortige Bildungssystem besitzen“, fordert Barbara Abdallah-Steinkopff, Diplom-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin bei Refugio München.

„In vielen Kulturen ist es zum Beispiel üblich, die Hierarchie einer Person zu wahren, in dem man sie nicht anschaut. Nun würden wir daraus schließen, dass ein Jugendlicher etwas zu verbergen hat, dabei verhält er sich nur ausgesucht höflich“. 

Ein anderes Beispiel: „‘Bitte gib den Text mit eigenen Worten wieder‘. Das ist für hier aufgewachsene Kinder ein verständlicher Arbeitsauftrag. Man muss aber wissen, dass in vielen Ländern der Welt jener Schüler der Beste ist, der etwas wortgetreu wiederholen kann. Wenn diese Kinder dann bei uns als Flüchtlinge im Unterricht sitzen, prallen Lern-Welten aufeinander“. Doch woher soll das eine Schulleitung wissen? Netzwerke wissen häufig weiter.

Auch wenn manche Schulleitung das Wort „Netzwerk“ nicht mehr hören kann, weil es vor allem mit noch mehr Arbeit in Verbindung gebracht wird: Um sich auf die Lage von Flüchtlingskindern einzustellen und adäquat mit ihnen umzugehen, sind Netzwerke hilfreich. Sie arbeiten vor allem schnell und unbürokratisch. Ein gutes Beispiel ist das Netzwerk Syrienhilfe der Kirchengemeinde St. Rochus und Augustinus im Bonner Stadtteil Hardtberg. 

Funktionierende Netzwerke sind wichtig

Um Kindern, die alleine (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, UMF) oder mit Familie hier ankommen, einen guten Start in der deutschen Schule zu ermöglichen, haben sich dort viele Helfer, darunter auch die Schulleitungen der umliegenden Schulen, gemeinsam gekümmert. Der kurze Draht zu Helfern ganz unterschiedlicher beruflicher Hintergründe ermöglicht selbst kurzfristige Schulwechsel, wenn sich etwa nach wenigen Wochen herausstellt, dass ein Kind an seiner neuen Schule über- oder unterfordert ist.  Gerade unter den syrischen Flüchtlingen sind häufig selbst Lehrer und andere akademische Berufe zu finden, die froh sind, ihre Kolleginnen und Kollegen an deutschen Schulen über das Bildungswesen ihres Heimatlandes zu informieren.         

Zum Beispiel in Dortmund. Dort hat sich ein Berufskolleg- und Bildungsnetzwerk gegründet. Hier bieten alle acht Dortmunder Berufskollegs Spezialklassen an, die die jungen Neuankömmlinge aufnehmen. Ein Angebot, das es den Schülern erlaubt, sich für ein Kolleg zu entscheiden, das ihren Neigungen entspricht – oder jederzeit das Kolleg zu wechseln. Die Schüler des Programmes, das zeigte sich bereits in der Vorbereitungsphase, wollen so viel wie möglich lernen. Doch die Lehrer an den Kollegs können nicht alles leisten. Zum Netzwerk gehören deshalb Sozialpädagogen, die zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen das Vokabular für den selbstständigen Einkauf erweitern oder in der Computer-AG die Termini für den künftigen Beruf erarbeiten lassen. 

Mehr über das Bildungsnetzwerk in Dortmund lesen Sie hier.

Das Netzwerk Syrienhilfe der Kirchengemeinde St. Rochus und Augustinus im Bonner Stadtteil Hardtberg informiert hier über seine Arbeit.