PISA geht in die nächste Runde: Die aktuellen Ergebnisse aus 2015

Deutsche Schüler belegen Platz 16 von 72 bei der PISA-Studie. In Mathe, Naturwissenschaften und Lesekompetenz liegt Deutschland oberhalb des OECD-Durchschnitts, Begeisterung bricht im deutschen Bildungssektor dennoch nicht aus. Der Leistungsvergleich selbst ist unter Experten umstritten und die Neugestaltung der Erhebung wirft Fragen bezüglich der Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen der letzten Jahre auf.

Die erste Dezemberwoche 2016 steht im Bildungsbereich ganz im Zeichen der Ergebnisse der PISA-Studie 2015. Es wird viel diskutiert und verglichen, wobei das deutsche Schulsystem und auch die Studie selbst zum Teil harter Kritik gegenüberstehen. Dabei sind die Ergebnisse der 15-jährigen deutschen Schüler in diesem Jahr alles andere als unerfreulich. Deutschland belegt im weltweiten Vergleich insgesamt Platz 16 von 72 und liegt somit oberhalb des OECD-Durchschnitts. Platz eins belegt Singapur, gefolgt von Japan und Estland.


Seit dem Jahr 2000 stellen sich Schüler in über 70 Ländern weltweit alle drei Jahre der Schulleistungsuntersuchung PISA. Dabei müssen sich nicht nur die Schüler selbst, sondern auch die Schulsysteme einer vergleichenden Leistungsprüfung unterziehen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen im Jahr 2015 die Naturwissenschaften. Hier schlagen sich die deutschen Schüler mit 509 Punkten im Vergleich zum OECD-Durchschnitt von 493 Punkten recht ordentlich. Diskrepanzen zu den absoluten Spitzenreitern Singapur (556), Japan (538) und Estland (534) sind dennoch zu erkennen. Auch in Mathematik und Lesekompetenz reiht sich Deutschland oberhalb des Durchschnitts, jedoch nicht unter den Besten ein.

Die Deutschen sind zwar gut in Fächern wie Mathematik, Physik, Chemie, Biologie oder Technik, als attraktiv oder gar bedeutsam bewerten sie diese jedoch nicht.

Die PISA-Studie testet auch 2015 nicht allein die fachlichen Kompetenzen der Heranwachsenden. Gefragt wird auch nach persönlichen Einschätzungen, wie dem Vertrauen in Naturwissenschaften, dem Spaß an Schulfächern, oder nach der beruflichen Zukunft in verschiedenen Fachbereichen. Im Vergleich zum reinen Fachwissen schneiden deutsche Schüler hier im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich ganz anders ab. Während zehn Prozent der Befragten zwar sehr leistungsstark in Naturwissenschaften sind, können sich die meisten jedoch nicht in wissenschaftliche Denkweisen hineinversetzten, Experimente konzipieren oder Umfragen gestalten. Die Deutschen sind zwar gut in Fächern wie Mathematik, Physik, Chemie, Biologie oder Technik, als attraktiv oder gar bedeutsam bewerten sie diese jedoch nicht. Auffällig ist hier auch der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Während die beiden Geschlechter in ihren fachlichen Leistungen durchaus vergleichbar abschneiden, sind ihre Einstellungen dennoch sehr unterschiedlich. Mädchen machen die Naturwissenschaften demnach zum einen weniger Spaß, zum anderen können sie sich nicht für eine berufliche Zukunft in diesem Bereich begeistern. Der Schlüssel kann hier, wie auch generell bei den schulischen Ergebnissen aller Schüler, in der Motivation gesehen werden. Es mag sein, dass sich Mädchen bei technischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen immer noch weniger zutrauen als Jungen, bzw. ihnen weniger zugetraut wird. Hier sind Eltern, Lehrer, aber auch die Gesellschaft als Ganzes in der Pflicht Stereotype aufzubrechen und Heranwachsende unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Religion, gemäß Ihrer persönlichen Interessen zu fördern.


Festzuhalten ist auch, dass die Studie selbst für viele Experten als Verlierer gilt. Die Umstrukturierung vom Test mit Papier und Bleistift zu einer Abfrage am Computer ist als kritisch für die Vergleichbarkeit mit vorherigen Studien anzusehen. So kommt neben den fachlichen Aufgaben und Fragen eine neue intervenierende Variable, der Umgang mit dem Erhebungsinstrument selbst, hinzu. Darüber hinaus diskutiert die Fachwelt selbstverständlich auch dieses Jahr über Vor- und Nachteile dieser hoch standardisierten Testung und Ihrer Aussagekraft. Die internationale Perspektive und der mögliche Vergleich verschiedener Schulsysteme, aus dem jedes System lernen kann, werden als Vorteile benannt. Nachteilig wird angeführt, dass Lehrer ihren Unterricht weniger frei, sondern mit dem Blick auf die nächste PISA-Erhebung gestalten (sollen) und das die wirtschaftliche Input-Output-Überlegung sich nicht auf Bildung übertragen lässt. Schließlich sei Bildung kein messbares Gut, dessen Endergebnis allein durch die schulisch eingegeben Inhalte bedingt werde, sondern komplex, nicht messbar und durch diverse konkrete und diffuse Variablen beeinflusst.


Unabhängig von diesen Diskussionen wird es auch 2018 wieder eine PISA-Erhebung geben, dann wieder am Computer, womit zumindest für die Testergebnisse von 2015 ein Vergleichswert geschaffen wird, auch wenn der Schwerpunkt dann ein anderer ist. Letztendlich ist jedoch nicht das Ergebnis selbst der relevante Part dieser Erhebung, sondern die Implikationen für unsere Schulen und die Aktionen der Politik, die daraus folgen.