Unterstützung aus der Wirtschaft

© Jeanette Dietl/Fotolia.com

Eine Schule leiten gleicht mittlerweile mehr einem Manager-Job. Das erkannte Harald Grieser, ehemaliger Schulleiter und Schulamtsdirektor, bereits vor über zehn Jahren und entwickelte ein Konzept, in dem Schulleiterinnen und Schulleiter in NRW von (ehemaligen) Führungskräften aus der Wirtschaft in Bereichen wie Personalführung oder Budgetplanung unterstützt werden. Näheres zu seiner Idee hat er uns im Interview berichtet.

Schulverwaltung.de:
Wie kam die Idee zum Projekt Seniorexperten für NRW Schulen und was genau verbirgt sich dahinter?

Harald Grieser:
Dortmunder Wirtschaftsvertreter, die traditionell eng mit städtischen Institutionen und Regionalen Bildungsnetzwerken kooperieren, regten im Jahre 2005 an, neue Wege der direkten und praxisorientierten Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen zu finden. Daraufhin erhielt ich den Auftrag, ein Konzept für die damalige „Stiftung Partner für Schule NRW“ zu entwickeln. Mein Leitsatz „Eine gute Schule ist eine geleitete Schule“ stellte die Schulleitungen in den Fokus der Veränderungen:
Das Projekt bringt ehemalige oder noch aktive Führungskräfte aus der Wirtschaft in ehrenamtlichem Engagement mit Schulleitungen in Form von Beratungs-Tandems zusammen. Somit ist das Projekt zum einen eine individuelle Begleitung für Schulleiterinnen und Schulleiter bei ihrer Leitungsaufgabe innerhalb einer eigenverantwortlichen Schule, zum anderen ein wichtiges, regional weit verbreitetes Unterstützungsangebot zur Professionalisierung von Schulleitungen in Nordrhein-Westfalen – insbesondere durch die Vermittlung von Management-Know-how ehemaliger oder noch aktiver Führungskräfte aus der Wirtschaft.

SchulVerwaltung.de:
Was macht die Beratung durch die Seniorexperten so einzigartig, was kann man erwarten, wenn man sie in Anspruch nimmt?

Harald Grieser:
Es ist der Blick von außen, Beratung und Coaching durch in Leitungsfunktionen erfahrene Personen, die mit Schule in ihrem Berufsleben nichts oder nur wenig zu tun hatten oder haben.
Seit 2005, im Zuge des Schulversuchs „Selbstständige Schule NRW“ änderte sich die Rolle der Schulleitung durch die erweiterten Gestaltungsspielräume grundle-gend – Managementfähigkeiten bei Schulleitern/-innen wurden zusehends wichtiger. Die Leitung einer Schule ähnelt mehr und mehr der eines kleinen oder mittel-ständischen Unternehmens. Der Schulleiter oder die Schulleiterin ist seitdem dazu angehalten, sich von der Rolle des „Primus inter Pares“ zu verabschieden, da er oder sie letztlich die Verantwortung für die gesamte Ausrichtung der Schule trägt. Von Schulleitungen werden Fähigkeiten gefordert, die in den Aufgabenbereich des klassischen Managements fallen.
Das Projekt ermöglicht Schulleitungen und Führungskräften in Schule, sich kosten-los zu qualifizieren, beratend begleiten zu lassen und dabei Management-Know-how aus der Wirtschaftswelt zu erwerben. Angesichts zunehmend selbstständiger werdender Schulen gibt es allseits einen spürbaren Bedarf nach Orientierung und Management-Knowhow; sein Konzept und sein Ansatz ergänzen bereits bestehen-de Weiterbildungsangebote des Landes in sinnvoller Weise.

Das Projektangebot setzt auf hoch motivierte ehrenamtliche Beraterinnen und Berater, die bereit und fähig sind, ihre Berufserfahrungen und ihr Know-how schulischem Leitungspersonal zur Verfügung zu stellen.

SchulVerwaltung.de:
Wie werden die Seniorexperten ausgewählt und wer (welche Berufsgruppen, welche Motivationen) verbirgt sich dahinter?

Harald Grieser:
Das Projektangebot setzt auf hoch motivierte ehrenamtliche Beraterinnen und Berater, die bereit und fähig sind, ihre Berufserfahrungen und ihr Know-how schulischem Leitungspersonal zur Verfügung zu stellen. Sie haben die Fähigkeit, Problemstellungen zu analysieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Sie können sich gut auf Ihren Gesprächspartner einstellen und vertrauensvolle Beratungsgespräche führen. Sie bringen Offenheit für das Beratungsumfeld „Schule“ mit, sind mobil und bereit, sich nach Absprache mit dem Schulleiter/ der Schulleiterin vor Ort zu treffen.
Diese Seniorexperten und Seniorexpertinnen werden auf speziellen Veranstaltungen und Seminaren für den Einsatz an Schulen durch “Die Bildungsgenossenschaft – beste Chancen für alle“ vorbereitet.
In der Regel handelt es sich um ehemalige oder noch aktive Führungskräfte aus der Wirtschaft mit Expertise in den folgenden Bereichen:
• Personalführung
• Budgetplanung
• Projektmanagement
• Change Management
• Marketing
• Innerbetriebliche Kommunikation
• EDV/IT
• sonstiges

SchulVerwaltung.de:
Welche Aufgaben kann und soll ein Seniorexperte übernehmen, welche nicht?

Harald Grieser:
Wichtig ist zum einen, dass die Seniorexperten und Seniorexpertinnen ihre Rolle als Coach bzw. Berater nicht verlassen. Sie übernehmen keinerlei Führungsaufgaben an der Schule. Zum anderen übernehmen sie keine beratenden Tätigkeiten im Bereich Unterricht und Unterrichtsentwicklung, d.h., wenn man das Qualitätstableau für Schulen des Landes NRW zugrunde legt, dann wird der Bereich 2 – Unterricht ausgeklammert. Es bleiben genügend andere Stellschrauben übrig!
Beratungsbedarf, Beratungsdauer, Beratungszeiten werden einvernehmlich zwischen den Beteiligten ausgehandelt.
Ganz wichtig ist, dass bei allen Tätigkeiten immer daran gedacht wird, dass am Ende für die Schülerinnen und Schüler ein „Mehrwert“ entstehen muss, sonst ist die Arbeit eigentlich umsonst!

 

Weitere Informationen zur Idee der Seniorexperten NRW finden Sie hier.